Schon wieder ein paar Fotos angeguckt? Einen Text überflogen? Einem Schild gefolgt? Wir leben in einer Welt, die vor allem visuell kommuniziert. Ständig schauen wir auf Bildschirme, Buchstaben, Bilder, Zeichen. Für Millionen Menschen ist das aber keine Hilfe, sondern ein Hindernis. Und genau hier kommt Audio ins Spiel. Klang braucht keine Augen. Klang braucht nicht mal Aufmerksamkeit. Klang findet uns, auch wenn wir nicht suchen. Sobald Informationen und Erlebnisse durch Sound für alle Menschen zugänglich sind, heißt das „Audio-Accessibility“.
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Sound ist ein mächtiges Werkzeug, um Barrieren für Menschen mit Sehbehinderungen oder Leseschwierigkeiten abzubauen und eine inklusivere Gesellschaft zu schaffen.
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Klang wirkt direkt. Für Menschen mit Sehbehinderung, Leseschwierigkeiten oder kognitiven Einschränkungen ist Audio oft der schnellste, sicherste und stressfreieste Weg, sich zu orientieren.
Aber ganz ehrlich: Auch für alle anderen ist guter Sound eine Superkraft, die das Erlebnis verbessert, beim Lernen, Navigieren, Konsumieren, Scrollen – beim Leben.
Mit GPS, Bluetooth-Beacons, Gyrosensorik und KI entstehen akustische Leitsysteme, die Orientierung geben. Und blinden Menschen ermöglichen, sich selbstständig und sicher zu bewegen.
Ein Beispiel? Die App WaveOut zeigt Sehbeeinträchtigten den Weg – mit den Ohren.
-> „Links halten“ wird zu einem hörbaren Impuls.
-> Gegenstände werden zu akustischen Markern im Raum.
Das Potenzial? Riesig. Bahnhöfe, Flughäfen, große Gebäude werden plötzlich ohne Umwege zugänglich.
Wie wirkungsvoll Audio-Accessibility im öffentlichen Raum sein kann, zeigt ein Projekt von why do birds zusammen mit den Berliner Verkehrsbetrieben BVG: Für BerlinerTram-Haltestellen haben wir einen Aufmerksamkeitston für Durchsagen sowie einenTürfindeton für sehbeeinträchtigte Menschen entwickelt, die 2026 ausgerolltwerden sollen.
Ziel ist es, Orientierung und Sicherheit durch klare, nichtaufdringliche akustische Signale zu verbessern.
Sprachassistenten werden schlauer. Und zwar rasant. Mit künstlicher Intelligenz wird die Stimme zum einfachsten Werkzeug, um sich durchs Netz zu bewegen.
Tools wie Handsfree for Web zeigen, wie’s richtig läuft:
-> komplette Website per Stimme bedienbar
-> Buttons, Formulare und Menüs, die man hören und steuern kann
Inhalte müssen allerdings soaufgebaut sein, dass Screenreader sie verstehen. Klingt wie ein nettes Extra. Macht aber den Unterschied.
Mit dem Barrierefreiheitsförderungsgesetz müssen viele digitale Produkte und Services künftig so gestaltet sein, dass wirklich alle sie nutzen können. Audio-Accessibility ist damit nicht nur eine gute Idee – sondern ein klarer Auftrag.
Sound-Overload
Zu viele Töne schaffenChaos. Accessibility braucht Klarheit, keine Special Effects.
Keine Standards
Für visuelle Accessibilitygibt es den internationalen Standard WCAG. Für Audio? Bislang keine Regeln.
Menschen hören unterschiedlich
Tonhöhen, Lautstärken, Geschwindigkeit: alles muss anpassbar sein. Damit kein Stress entsteht.
Kulturelle Codes
Ein Warnsignal kann in anderen Teilen der Welt wie ein freundlicher Hinweis klingen. Sound ist kulturell kodiert.
Branding ohne Funktion
Viele Marken denken Audio wie Deko. Accessibility gehört aber von Anfang an zur Marken-DNA dazu. Sie ist kein Add-on am Ende.
Audio-Accessibility ist ein Zukunftsthema für alle, die digitale Kommunikation ernst nehmen.
Was Marken jetzt tun sollten:
-> Audio als echten Teil ihrer UX verstehen
-> Voice-Interfaces ins Design-System integrieren
-> Brand Voices auf Klarheit, Wiedererkennbarkeit und Verständlichkeit testen
-> barrierefreie Sound-Guidelines fest im Branding verankern
Denn guter Sound macht nicht nurMarken stark. Er macht Wege frei. Für alle.
Barrierefreies Audio macht Inhalte für alle verständlich – egal ob mit oder ohne Einschränkungen, im Alltag oder unterwegs. Klare Stimmen, gute Verständlichkeit, sinnvolle Lautstärken und der bewusste Einsatz von Sound sorgen dafür, dass niemand ausgeschlossen wird. Kurz gesagt: Audio, das Orientierung gibt, statt zu überfordern.
Das Barrierefreiheitsförderungsgesetz macht klar: Digitale Angebote müssen für alle zugänglich sein. Nicht irgendwann, sondern jetzt. Damit niemand ausgeschlossen wird, nur weil Technik im Weg steht.